WISSENSWERTES |
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"Wer nichts weiss, muss alles glauben" Eschenbach |
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Angststörungen |
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Angststörungen sind länger dauernde Reaktionen unseres vegetativen Alarmsystems. Sie werden ausgelöst durch Erlebnisse, welche die körperliche oder die seelische Integrität eines Menschen bedrohen. Dies können traumatische lebensbedrohliche Situationen wie Geiselnahme, Unfälle, Krieg, Folter, etc. sein, häufiger aber sind es seelische Traumatisierungen, welche mit negativen zwischenmenschlichen Erfahrungen (Trennung, Todesfall, Mobbing, Konflikte mit nahestehenden Personen) zusammenhängen. Im Hintergrund spielen bei uns Menschen oft vorbestehende frühere negative Lebenserfahrungen eine wichtige Rolle.
Angststörungen können auch Ausdruck eines Erschöpfungszustandes sein, welcher entsteht, wenn die betroffene Person eigene Bedürfnisse nicht mehr wahrnehmen kann. Typisch ist, dass Betroffene sich gar nicht bewusst sind, dass ihr seelisches Gleichgewicht bedroht ist. Je nach Erscheinungsform unterscheidet man verschiedene Formen von Reaktionen: |
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Panikstörung |
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Plötzlich und unerwartet aufgetretene Panikattacken mit typischen Symptomen der Adrenalinausschüttung. Mehrere Anfälle innerhalb eines Monats. Dazwischen angstfreie Intervalle.
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Die häufigsten Panikstörungen sind: |
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• Engegefühl über der Brust, Gefühl zuwenig Luft zu bekommen
• Herzklopfen, Herzrasen
• Schwindel
• Zittern, weiche Knie
• Kalter Schweiss
• Gefühl der Übelkeit
Mit den Angstsymptomen verbunden treten unweigerlich und automatisch Angstgedanken auf: „Ich werde ohnmächtig“ „Ich werde einen Herzanfall bekommen und sterben“ „Ich werde die Kontrolle über mich verlieren und verrückt werden“ „Ich werde erbrechen müssen“ Angstsymptome und automatische Angstgedanken ergänzen sich in Form eines Teufelskreises: Angstgedanken verstärken den Adrenalinschub, damit verstärken sich die körperlichen Symptome, was wiederum die Angstgedanken verstärkt, etc. |
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Generalisierte Angststörung |
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Dauernde Befürchtungen (über mögliche Krankheiten, Unfälle, etc.)
Muskuläre Spannung (Muskelschmerzen, v.a. im Nacken-Schulterbereich) Übererregbarkeit des vegetativen Nervensystems (Herzklopfen, nächtliches Schwitzen, Schwindel) |
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Dissoziative Störung |
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Wiederholt auftretend in Belastungssituationen. Gefühl, wie betäubt zu sein, nicht dabei zu sein, fehlende Schmerzempfindung, Gefühl sich wie von aussen zu betrachten, wie losgelöst vom Körper zu sein, später ev. fehlende Erinnerung daran.
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Links |
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Angst- und Panikhilfe Schweiz
APhS vertritt die Interessen von Patienten, welche an einer Angststörung leiden, bietet Hilfe und Beratung, vielfältige Informationen und die Möglichkeit zur Diskussion zwischen Patienten, Angehörigen und Fachleuten an. |
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Depressionen |
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• Depressionen treffen ca. 20% aller Menschen im Laufe ihres Lebens einmal oder mehrmals.
• Depressionen sind gefährlich, weil sie einen Menschen in den Suizid treiben können.
• Depressionen können behandelt werden.
• Depressionen sind Ausdruck einer Störung des Hirnstoffwechsels und können mit dem Willen
• nicht überwunden werden. • Depressionen haben die Tendenz wiederholt aufzutreten oder chronisch zuzunehmen,
• wenn sie nicht oder nicht genügend behandelt werden. • Depressionen können alle treffen und sind meist Folge von längerdauernden inneren
• und äusseren Belastungen. |
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Hinweise auf Depressionen |
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| Meist aber nicht zwingend vorhanden. | |
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• Gedrückte Stimmung
• Interesseverlust
• Freudlosigkeit
• Verminderung des Antriebs
• Verminderung der Energie, erhöhte Ermüdbarkeit
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Typisch bei mittelschweren bis schweren Depressionen: |
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• Verminderte Konzentrationsfähigkeit
• Vermindertes Selbstwertgefühl
• Sozialer Rückzug
• Interesseverlust
• Deutlicher Appetitverlust
• Gewichtsverlust
• Psychomotorische Hemmung oder Unruhe
• Mangelnde Fähigkeit, auf positive Ereignisse emotional zu reagieren
• Körperliche Beschwerden, ohne dass eine Ursache dafür gefunden wird, wie z.B. Kopf-
• oder Rückenschmerzen, Herzrasen, Magen-Darmbeschwerden, Durchfälle, • Atembeschwerden und Unterleibsbeschwerden • Libidoverlust
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Depressive Gedankeninhalte: |
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• Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit
• Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
• Suizdgedanken
Je nach Ausprägung der Symptomatik unterschieden wird zwischen leichten, mittelgradigen und schweren depressiven Episoden. Bei mittelgradiger Depression ist der Betroffene unter Anstrengung knapp in der Lage, die Anforderungen des Alltags zu bewältigen, bei schwerer Depression nicht mehr. |
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Behandlungsformen |
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Depressionen lassen sich sowohl mit Methoden der Psychotherapie als auch medikamentös behandeln. Bei mittelschweren und schweren Depressionen wird meist eine Kombination beider Verfahren eingesetzt.
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Psychotherapie |
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Eine sinnvolle Psychotherapie setzt beim Patienten eine aktive Mitarbeit voraus. Abhängig vom Schweregrad der Depression kann das psychotherapeutische Gespräch manchmal erst nach einer Vorbehandlung mit einem antidepressiv wirkenden Medikament eingesetzt werden. Welches psychotherapeutische Verfahren für den jeweiligen Patienten das geeignetste ist, wird in einem individuellen Therapiekonzept zwischen Patient und Arzt festgelegt.
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Medikamentöse Therapie |
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In erster Linie kommen bei der medikamentösen Behandlung der Depression Arzneimittel aus der Gruppe der so genannten Antidepressiva zum Einsatz. Es gibt verschiedene Gruppen von Antidepressiva. Alle beeinflussen die Übertragung von Botenstoffen, welche für psychische Funktionen wichtig sind (Serotonin, Noradrenalin). Neuerdings ist auch bekannt, dass Antidepressiva den negativen Auswirkungen der Stresshormone entgegenwirken und das Auswachsen von neuen Nervenverbindungen (Synapsen) im Gehirn fördern. Sie sind also gewissermassen eine Art „Synapsendünger“.
Im Gegensatz zu Schmerz- oder Beruhigungsmitteln (Tranquilizer), die sofort eine Wirkung entfalten, benötigen Antidepressiva 2 bis 4 Wochen, bis sich der gewünschte therapeutische Effekt schrittweise einstellt. Die Wirkung ist indirekt, d.h. die Funktion der Nervenzellen im Gehirn normalisiert sich erst allmählich unter dem Einfluss des Medikamentes. Patienten sollten dies beachten und, nicht enttäuscht wegen ausbleibender Wirkung, bereits nach wenigen Tagen das Medikament absetzen. Antidepressiva machen nicht abhängig. In der Regel beträgt die Anwendungsdauer für ein Antidepressivum bei einer ersten depressiven Episode sechs bis neun Monate. Die Dosierung wird in dieser Zeit regelmäßig vom behandelnden Arzt überprüft und dem individuellen Bedarf des Patienten entsprechend angepasst. Das Ziel ist, dass sich alle Zeichen der Depression über längere Zeit vollkommen zurückgebildet haben. Wiederkehrende Depressionen erfordern oft eine Langzeittherapie über Jahre. Je nach Präparat können – oft zu Beginn der Behandlung und vorübergehend - bei einer medikamentösen Therapie der Depression auch Nebenwirkungen auftreten. Grundsätzlich soll im ärztlichen Gespräch das Thema Nebenwirkungen behandelt und Fragen ausführlich beantwortet werden. Bei andauernden Nebenwirkungen und wenn die Wirkung ausbleibt, muss ein Wechsel auf eine andere Substanz oder eine Kombination zweier Medikamente in Betracht gezogen werden. |
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Zusammenfassung |
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| • Eine Depression ist eine krankhafte Veränderung des Hirnstoffwechsels, die mit dem • Willen allein nicht beeinflussbar ist. • Die Therapie mittelschwerer und schwerer Depressionen erfordert meist eine • Kombination von Psychotherapie und medikamentöser Therapie. • Antidepressiva helfen, dass sich die Hirnfunktionen langsam wieder normalisieren. • Die antidepressive Wirkung entwickelt sich allmählich über 2-4 Wochen; • Antidepressiva führen nicht zu Abhängigkeit. |
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Links |
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http://www.depression.ch/
Umfassende Webseite, mit Fragen zur Selbstbeurteilung und Links zu Patientenbroschüren (eingerichtet von Pharmafirma, ohne Produktewerbung) http://www.depressionen.ch/ Equilibrium - Verein zur Bewältigung von Depressionen – hier kommen Betroffene zum Wort http://www.depression.unizh.ch/ Eine Fundgrube für Informationen zum Thema Depression, der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (Prof. D. Hell). Es finden sich hier auch neueste Forschungsergebnisse, z.B. über den Zusammenhang zwischen Depressionen und Herzerkrankungen. |
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Unser Gehirn |
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Man schätzt die Zahl der Nervenzellen (Neuronen) im menschlichen Gehirn auf ca. 100 Milliarden. Die Zahl der Verbindungen zwischen den Nervenzellen (Synapsen) ist um ein Tausendfaches grösser. Bis vor wenigen Jahren war man der Meinung, das Gehirn sei nach der Geburt wie eine Telefonzentrale fest ”verdrahtet” und verändere sich nicht mehr, es sei denn Zelluntergang. Wir wissen heute, dass dies falsch ist und dass das Gehirn durch sog. neuronale Plastizität ein Leben lang fähig ist, die Struktur der Nervenverbindungen zu verändern - konkret: neue Verästelungen der Nervenzellen (Dendriten) und neue Synapsen zu bilden. Diese Veränderungen sind abhängig von der Beanspruchung der beteiligten Zentren. So kann man heute z.B. zeigen, dass beim Erlernen der Blindenschrift spezifische Bereiche der Hirnrinde (Cortex) vergrössert werden. Oder beim Musizieren nimmt das Volumen der sog. Broca Area in der linken vorderen Gehirnwindung sowie der motorischen Hirnrinde zu. Eine bemerkenswerte Studie machte man mit Londoner Taxifahrern: je länger jemand in London Taxi fährt, desto grösser ist der vordere Bereich des Hippocampus - die Hirnregion, welche für das Abspeichern von räumlichen Erinnerungen verantwortlich ist.
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Seit einiger Zeit wissen wir, dass das Gehirn sogar mehr als nur plastisch (also veränderbar) ist. Es hat nämlich sogar ein Lager von neuralen Ersatzzellen - adulte Stammzellen - im Bereich des Hippocampus zur Verfügung. Diese erstaunlichen Zellen können in Hirnregionen auswandern und sich, je nach Bedarf, zu verschiedenen regionenspezifischen Neuronen entwickeln. Man hat ausgerechnet, dass im Hippocampus einer erwachsenen Ratte monatlich ca. 250’000 neue Nervenzellen entstehen. |
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Alle diese Prozesse werden durch Lernprozesse gefördert, also durch Aktivitäten, in denen das Gehirn Neues lernt. Unser Gehirn ist eigentlich eine gigantische Lernmaschine, die gar nicht anders kann als immerzu Neues lernen. Interessant ist, dass Antidepressive Medikamente die Synapsenbildung fördern. Sie führen bei Behandlungen über mehr als zwei Wochen zu einer signifikanten Zunahme der Synapsenneubildung und Zellneubildung (Neurogenese). Sie sind also gewissermassen eine Art ”Synapsendünger”, der Veränderungen unterstützt, wie sie im Rahmen einer Psychotherapie erwünscht sind. Bei ”Umlernprozessen” im Rahmen einer Therapie geht es darum, Neues zu lernen - gleichzeitig muss das Alte verlernt werden. Das heisst neurobiologisch, dass gleichzeitig mit dem Schaffen von neuen neuronalen Bahnen/Netzen die alten weniger weiterbenutzt werden, dass also mit dem Erlernen neuer Verhaltens- und Reaktionsweisen ein ”Umschichten” der Neuronenverbindungen einhergeht. Man kann diese Veränderungen in der Aktivität gewisser Zentren heute mit den modernen bildgebenden Verfahren (PET, SPECT, MRI) darstellen, z.B. bei der Therapie von Zwangsstörungen. Die Praxis der Psychiatrie und Psychotherapie ist heute nicht mehr etwas etwas esoterisch - unfassbares, sondern es gilt ganz einfach: alles Psychische ist auch (neuro)biologisch. Es ist heute eine Selbstverständlichkeit, dass Psychotherapie und Pharmakotherapie einander unterstützen und ergänzen können. Beide bewirken langfristig psychologische und neurobiologische Veränderungen.
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Den neuroplastischen Prozessen entgegengesetzt sind neurodegenerative Prozesse. Diese hemmen das Wachstum neuer Synapsen und neuer Nervenzellen und können zum Zelltod führen. Am besten bekannt ist die Demenz (oder Alzheimer Erkrankung), welche mit massivem Zellschwund verbunden ist. Die Forschung ist heute daran, Medikamente zu entwickeln, welche die Neubildung von Neuronen im Gehirn (Neurogenese) fördern. |
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Auch Stress, speziell langdauernder Stress mit Erhöhung des Stresshormons Cortisol steht heute im Zentrum der Forschungsinteressen. Vor allem Stresssituationen, welche keine Lösung zulassen, sind oft krankmachend. Dies sind im Tierexperiment z.B. Elektroschocks, welche keine Flucht zulassen, beim Menschen sind es verschiedene längerdauernde belastende Situationen, wie z.B. zwischenmenschliche Konflikte, oder aber akut bedrohliche Erlebnisse wie Katastrophen, Unfälle, Geiselnahmen, etc. All dies aktiviert unser Alarmsystem (gesteuert durch die Zentren des limbischen Systems im Gehirn) und setzt uns unter Spannung und Stress. Bleibt das Alarmsystem und damit das vegetative Nervensystem überaktiv, resultieren daraus Angststörungen, Depressionen und viele somatische Beschwerden.
Quelle: www.sprechstundem21.unibe.ch
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